Pssst … ganz langsam. Ich strecke mich. Nach einem langen, kalten Winter liege ich noch etwas steif und verschlafen da. Monatelang war ich unter Schnee, Frost und Regen verborgen – ein richtiger Winterschlaf eben. Doch jetzt, im Frühjahr, spüre ich die ersten warmen Sonnenstrahlen. Ich wache auf.
Aber bitte: noch ganz vorsichtig mit mir.
Am Anfang bin ich nämlich noch sehr weich. Jeder Schritt drückt tief in mich hinein, und manchmal tut mir das richtig weh. Mein Boden ist noch nicht bereit für schnelle Sprints oder lange Matches. Ich muss erst auftauen, ein wenig Kraft sammeln und wieder fest werden.
Zum Glück weiß mein Platzwart genau, was ich brauche. Sobald mein Boden wieder eine gewisse Steifigkeit bekommt, beginnt meine jährliche „Frühjahrsbehandlung“. Und ja – ganz ehrlich: Die ist zuerst ein bisschen schmerzhaft.
Dabei wird meine oberste Schicht – ungefähr ein Zentimeter – abgetragen. Man könnte sagen, ich bekomme eine neue Frisur. Oder wie eine Schlange, die ihre alte Haut abstreift, erneuere ich meine Oberfläche, damit ich wieder frisch und stark in die Saison starten kann.
Dann kommt mein Lieblingsmoment: Das Instandsetzungsteam rückt an. Viele freiwillige Tennismitglieder helfen mit – unter der Anleitung des Platzwarts. Gemeinsam schenken sie mir neues Leben.
Schubkarren um Schubkarren voller Sand landen auf mir. Rund eine Tonne frischer Sand pro Platz wird verteilt, sorgfältig eingearbeitet und mit Streusand ergänzt. Danach werden meine Linien wieder sauber eingewalzt, die Netzpfosten eingesetzt und Stück für Stück sehe ich wieder so aus, wie ich es liebe: bereit für eine neue Tennissaison.
Aber auch danach brauche ich noch etwas Geduld.
Die ersten ein bis zwei Wochen sind meine wichtigste Trainingsphase. In dieser Zeit möchte ich sanft bespielt werden. Keine harten Matches, keine wilden Richtungswechsel – sondern viel Bewegung, bei der die Spielerinnen und Spieler auch einmal auf derselben Stelle arbeiten. Jeder Schritt hilft mir, mich zu verdichten und stabil zu werden.
In dieser Phase arbeiten also nicht nur Platzwart und Instandsetzungsteam an mir – auch die ersten Spielerinnen und Spieler tragen dazu bei, dass ich über die gesamte Saison hinweg ein Top-Platz bleiben kann.
Und wenn der Betrieb dann richtig läuft, könnt ihr mir weiterhin helfen:
Wenn ihr mich nach dem Spielen gewissenhaft bis zum Rand abzieht, bleibt das Moos in Schach. Und wenn ihr mich regelmäßig und vernünftig bewässert, bleibe ich angenehm fest und griffig.
Kurz gesagt: Ich gebe mein Bestes für spannende Ballwechsel, lange Matches und viele schöne Tennisstunden. Aber ein bisschen Fürsorge von euch allen sorgt dafür, dass ich die ganze Saison über in Bestform bleibe.
Ich freue mich schon auf euch.
Euer Tennisplatz 🎾